Reisebericht Abano Terme (19.-30.11.2017)

 

Das Telefon reißt mich unsanft aus den Träumen. Es ist 5 Uhr in der Frühe und eine Stimme teilt mir mit:"Fango Signore" Ich schlüpfe nackt in den Bademantel und trinke noch schnell ein Glas Wasser, bevor ich mich auf den Weg zum Lift mache, der mich in die Fangoabteilung im 4.Stock bringen wird.

Weltweit gibt es keine wirksamere Fangotherapie als die in Abano Terme oder in Montegrotto Terme und in ein paar weiteren kleineren Kurorten bei den Euganeischen Hügeln südlich von Padua. Der heilsame Schlamm fließt unterirdisch langsam von den nahen Alpen von heißem (85 Grad) Thermalwasser begleitet bis an den Fuß der Hügelkette. Dort sind zahlreiche Kurhotels entstanden, die in hoteleigenen Sammelbecken den

Fango reifen lassen. Der Schlamm wird vom Thermalwasser durchströmt und bildet dabei zahlreiche Algen, deren entzündungshemmende Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen und dokumentiert ist. Vor allem Menschen, die an Arthrose und anderen Gelenk-und Wirbelsäulenproblemen leiden, finden dort Linderung und Heilung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Claudia ist die Fangochefin und empfängt mich in der ersten von 5 Fangokabinen. Auf der Liege hat der Fangoknecht schon zwei Eimer mit je 12,5 kg Fangoschlamm ausgebreitet. Claudia verteilt den noch heißen Fango und gibt mir ein wenig auf den Rücken, um mich an die Hitze zu gewöhnen. Ganz langsam sitze ich in die Mitte der Liege und lasse mich noch langsamer auf den Rücken hinab. Jetzt werden alle Gelenke mit Fango eingepackt und der Patient wird mit Decken eingeschlagen. Es ist ein sehr angenehmes Gefühl, so im warmen Schlamm zu liegen. Man träumt vor sich hin und spürt, wie der Schweiß aus allen Poren rinnt. Es wird glitschig und alle 5 Minuten kommt Claudia und tupft mit einem Tuch den Schweiß von Stirn und Augen.

Fast zu schnell sind die 15 Minuten um und man wird aus dem Schlamm geholt und geht hinüber in die Dusche. Claudia wäscht mit weicher, warmer Brause den noch anhaftenden Fango weg. Bereits vorher hat sie das in den Boden eingelassene Thermalbad gefüllt und ich lege mich auf die Sprudelmatte, aus der Ozonperlen den ganzen Körper umströmen. Nach weiteren 15 Minuten bekomme ich ein großes Trockentuch,  ziehe den Bademantel wieder an und fahre nach oben, wo ich mich aufs Bett lege und sofort wieder einschlafe.

Nach einer Stunde weckt mich das Telefon wieder und bittet mich zur Massage in den 1.Stock. Katia, eine junge Masseurin versteht etwas von ihrem Fach und findet zielstrebig meine Schwachpunkte. Was diese zierliche Frau doch für eine Kraft in ihren Händen hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Danach habe ich den ganzen Tag Freizeit und kann mir überlegen, was ich damit anfange. Zuerst mal durch die Fußgängerzone und den Kurpark schlendern.  Insgesamt ist Abano Terme eine durchaus moderne Stadt mit schöner Fußgängerzone, neuem Kurpark und natürlich vielen Geschäften mit Mode und Alimentari und den üblichen Andenkenläden.

Montegrotto Terme ist mit Abano zusammengewachsen. Seine Stadtmitte ist etwas langweiliger als Abano.

Was kann man in seiner freien Zeit noch machen? Es gibt einen sehr gut ausgebauten Busverkehr, mit dem man auch in weiter entfernte Orte einen Tagesausflug machen kann. Da wir ja schon mehrmals in Abano waren, haben wir uns eingeschränkt und sind lieber zweimal am Tag ins hoteleigene Thermalbad gegangen. Das Astoria bietet ein ziemlich neues Hallenbad mit einem verbundenen Thermalfreibad. Das Außenbecken ist sehr groß und enthält ein seitliches Düsenbecken, in dem man sich vielfältig besprudeln lassen kann. Daneben gibt es für Wellnessanhänger ein neues Spa mit Sauna, Eisbrunnen, Whirlpool und Außenbecken. Hier wird aber kein Thermalwasser verwendet, nur aufgeheiztes Trinkwasser. Es sind reichlich Liegen im Innen-und Außenbereich vorhanden; man hat überall viel Platz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An einem Tag mit wolkenlosem, blauen Himmel kauften wir Bustickets nach Padua, das nur 12 km von Abano entfernt ist. Padua ist eine typische italienische Stadt mit einem mittelalterlichen Stadtkern und modernen Wohnanlagen in der Peripherie. Besonders die Mäkte und die Markthalle haben Flair und man genießt gerne ein Glas Wein oder einen Cafe in einem der zahlreichen Straßencafes. Unbedingt anschauen sollte man die Fresken von Ghiotto in einer der Kirchen, die Universität und natürlich den Dom des heiligen Antonius, an dessen Grab sich immer eine Menge von Leuten vorbeibewegt, die Hand an das Grabmal legen und ihre Wünsche dem Heiligen zuflüstern. Wer etwas verloren hat, äußert hier die Bitte um Hilfe beim Wiederfinden.

Es ist ja auch in unseren Breiten bekannt, dass Antonius ein verlässlicher Helfer beim Suchen sei.

Bei unserem Besuch erlebten wir dieses Mal die Schokoladen-Kunst-Messe, wo unzählige Schokolade-Manufakturen ihre Kunstwerke verkauften. Ein Besuch empfohlen wird auch im Cafe Pedrocci, wo schon viele berühmten Revolutionäre ihre Pläne zur Verbesserung der Gesellschaft ausbrüteten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer genug Zeit hat, sollte mit der Bahn vom Bahnhof Montegrotto aus einen Tagesausflug nach Venedig machen. Der Zug fährt zum Bahnhof Santa Lucia direkt am Canale Grande.

Angereist mit dem eigenen Auto besucht man in den Euganeischen Hügel das Kloster Praglia und einige der kleinen Städtchen wie Monselice oder Este. Auch nach Chioggia an der nahen Adria lohnt es sich zu fahren. Wie in Touristenorten üblich kann man auch täglich Ausflüge bei örtlichen Busunternehmen buchen, die sehr vielfältige Ziele im Angebot haben. Ob die Fahrten stattfinden hängt leider von der Teilnehmerzahl ab; so wurde unser geplanter Chioggia Ausflug leider abgesagt.

Während wir in der ersten Woche täglich Sonne mit Temperaturen bis 17 Grad genießen konnten, sank das Thermometer zu Beginn der zweiten Woche auf winterliche Temperaturen um den Nullpunkt. Alle Hotels begannen, ihre oft üppigen Weihnachtsbeleuchtungen anzubringen und wir konnten auf unseren Abendspaziergängen mehr Kitsch als Kunst bewundern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Mittwoch war unsere Fangokur beendet und wir machten uns an die Vorbereitungen zur Abreise. Das Taxi holte uns am Donnerstagmorgen um 10:30 Uhr am Hotel ab und brachte uns zum Bahnhof nach Padua. Im Gegensatz zur Anreise, wo wir von München nach Padua einen durchgehenden Zug hatten, mussten wir nach kurzer Fahrzeit in Verona in den von Rom kommenden EC umsteigen, dank funktionierender Platzreservierung kein Problem. Leider gibt es in Italien keine Wagenstandsanzeige, was dazu führt, dass man erst mal suchen muss, wo der Wagen mit den reservierten Plätzen ist.

Der EC hatte 15 Minuten Verspätung angesammelt und unsere Umsteigezeit in München wurde sehr knapp.Letztendlich erreichten wir den Zug nach Ulm gerade noch und waren dann um 22:30 Uhr wieder zu Hause.

 

 

 

 

 

 

 

 

Am frühen Morgen dampft´das Thermalwasser überall

Schuhe aus Schokolade findet man nur in Padua

Der Dom des heiligen Antonius

Das Thermal-Düsen-Sprudelbecken

Das Thermalfreibad hat etwa 36 Grad

Das Thermalhallenbad hat etwa 38 Grad

Etwas für den heimischen Vorgarten

Blick aus unserem Fenster auf den Pool und Montegrotto

Blick in das neue Spa

Abano: Circolo Christoforo Colombo

Unsere geräumige Juniorsuite im 6.Stock

Abendlicher Blick auf Montegrotto Terme