Kurzreise in die Schweiz

Reiseziel: Luzern

Reisezeit: Anfang Oktober

Aktualität: 2014

Reisedauer: Drei Tage / zwei Übernachtungen

 

Während meiner Lehrzeit führte uns ein bergbegeisterter Ausbilder jedes Jahr bei einem Ausflug in die Berge. Eines Tages brachte uns der Bus in die Schweiz an den Vierwaldstätter See zur Pilatus Bahn. Hier eröffneten schon 1889  mutige Ingenieure die steilste Zahnradbahn der Welt auf den Hausberg von Luzern, den Pilatus (2128m). Anfangs wurde die Strecke mit kleinen Dampflokomotiven betrieben; 1937 wurde elektrifiziert und man fährt heute noch mit demselben Wagenmaterial, natürlich überholt und bequemer. Diese Erinnerung war jetzt ein Grund, diese Reise nach fast 50 Jahren zu wiederholen.

Wir fuhren mit dem eigenen Auto bis Alpnachstad, etwa 14 km südlich von Luzern. Es gibt genügend Parkplätze und man kann am gut gekennzeichneten Ticketschalter einen ersten Eindruck vom Hochpreisland Schweiz erhalten, weil man für zwei Personen gleich mal 136 Schweizer Franken (CHF) für die Berg-und Talfahrt hinlegen darf. Für einen Euro gibt es aktuell 1,20 CHF, der Kurs ist festgeschrieben.

Man erfragt am Ticketschalter die Abfahrtszeit und stellt sich dann am Talbahnhof an. Da jeweils 4 Bahnen direkt hintereinander fahren, kommt man meist recht schnell weg.

Die roten Triebwagen sind der Steilheit entsprechend als Schrägwaggons in Stufen gebaut, sonst würde man bei der extremen Steilheit (bis 48%) von den Sitzen rutschen. Wenn man zum ersten Mal den Schienenverlauf erblickt, kann man es kaum fassen dass irgendjemand auf die Idee kommen konnte, hier eine Bahn zu bauen. Inzwischen gibt es noch eine andere Möglichkeit auf den Pilatus zu gelangen. Eine große Einkabinen-Seilschwebebahn führt von Kriens direkt zum Gipfelrestaurant. Sie wird gerade umgebaut und ist bis Sommer 2015 außer Betrieb.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man sollte aber auf keinen Fall auf die Zahnradbahn verzichten; so eine spektakuläre Fahrt macht man nicht oft im Leben. Nach dem Passieren der Vegetationszone führt die Strecke durch Felsentunnels in hochalpines Gelände. Wenn man nicht im ersten Zug sitzt sieht man den vorausfahrenden Wagen und fragt sich oft, wie der wohl hier weiter kommen kann. Direkt am haarsträubenden Abgrund entlang windet sich der Schienenstrang durch unglaubliche Landschaft: An der Mittelstation wartet man auf die 4 abwärtsfahrenden Züge auf einer Ausweichschiene.

Nach 4,6 km und etwa 30 min Fahrzeit kommt man in einer modernen Bergstation an. Bei gutem Wetter hat man spektakuläre Ausblicke über das Mittelland, den Vierwaldstätter See mit Luzern und im Süden und Westen zu den Viertausendern des Berner Oberlandes. Bevor man sich nach Außen begibt, holt man sich am Info-Stand direkt nach dem Ausstieg ein Kärtchen, auf dem die Rückfahrzeit vermerkt ist. Bei sehr starkem Andrang kann der Aufenthalt schnell mal unfreiwillig um eine Stunde verlängert werden.

Hier oben gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann sich auf reichlich vorhandenen Liegestühlen in die Sonne legen oder noch schönere Aussichtspunkte ersteigen. Beide Gipfelpunkte sind durch Treppen zugänglich und erschließen herrliche Rundumpanoramen. Nicht ganz schwindelfreien Personen würden wir aber den Aussichtspunkt „ESEL“ nicht empfehlen. Die Treppen sind zwar stabil, das Geländer aber arg durchsichtig. Dafür gibt’s einen kleinen Tunnel der zu einer Felsgalerie führt, die problemlos gegangen werden kann und ebenfalls tolle Blicke ermöglicht. Das ältere Berghotel Pilatus-Kulm bietet Restaurantplätze, auch die Bergstation hat ein Self-Service Restaurant. Die Preise sind horrible, wie in der ganzen Schweiz.

Nach zwei Stunden Aufenthalt gings wieder abwärts. Tipp: Stellen Sie sich längere Zeit vor ihrer Abfahrtszeit an, dann können sie sich die schönsten Plätze aussuchen. Abwärts dauert die Fahrt 40 Minuten, da wegen eventueller Zahradüberlastung langsamer gefahren werden muss.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Um 18 Uhr trafen wir wieder in Luzern ein und begaben uns zum Check-In im Hotel Astoria in der Pilatusstraße 29. Das Hotel ist ziemlich neu, alle Zimmer wurden von einem bekannten Star-Architektenbüro entworfen. Gäste sind vor allem Tagungsteilnehmer und Busreisende, häufig aus dem asiatischen Raum. Die Hotelpreise in der Schweiz sind für „Uuusländer“ (Ausländer) erschreckend. Unser Zimmer kostete mit Frühstück pro Nacht 250 CHF, die Tiefgarage pro Übernachtung 35 CHF. Das Zimmer war für unseren Geschmack etwas zu modern, da die Toilette mit Nasszelle zum Schlafraum hin nicht abtrennbar war. Die Regendusche war sehr groß und schön, es gab Minibar und Safe, aber kaum Schrankplatz. Für zwei Nächte geht’s aber gut. Das Frühstück war für ein 4-Sterne Hotel bescheiden, aber gut.

Da muss sich in Deutschland zum Beispiel das preiswerte IBIS-Hotelfrühstück für 10 € nicht verstecken.

Im Hotel gibt es vier Restaurants, der Blick in die Speisenkarte treibt einem den Schweiß auf die Stirn. Wir beschlossen, ein in Google Earth gefundenes Thai Restaurant zu suchen, um nicht gänzlich ausgeraubt zu werden. Unsere Rechnung mit zwei Bieren, 1 Liter Mineralwasser und einem, zugegebenermaßen üppigen Menü machte dann runde 180 CHF.

Normale Verdiener können sich keinen Urlaub in der Schweiz mehr leisten. Die Preise sind nicht nur im Ferienbereich horrend hoch, so dass es nicht verwundert, dass man in Grenzstädten am Bodensee wie in Konstanz massenhaft Schweizer beim Einkaufen, vor allem Lebensmittel und Bekleidung, sieht.

Unser zweiter Tag sollte uns eigentlich per Schiff und Zahnradbahn auf den Schweizer Urberg, den RIGI führen. Leider lag dessen Gipfel schon am frühen Morgen in Wolken; der Föhn war in der Nacht zusammengebrochen und der Himmel bewölkt. So wanderten wir am Stadt-Quai entlang zum Verkehrshaus Schweiz, einem verkehrstechnischen Museum, das man uns im Hotel empfohlen hatte. Zur Öffnungszeit um 10 Uhr hatten wir die zwei Kilometer geschafft und wunderten uns schon nicht mehr, dass der Eintritt pro Person 30 CHF kostete, einmal IMAX – Kino plus 18 CHF (für1 Film! ) und 15 CHF fürs Planetarium falls gewünscht. Einen Film haben wir uns gegönnt. Das Museum ist überschaubar, hat interessante, interaktive Abteilungen für Landverkehr, Luftfahrt und Schiffahrt. Mittagessen: 1 Teller Hörnle mit Soße nur 12 CHF.

Da am Nachmittag doch die Sonne raus kam, buchten wir kurzentschlossen noch die einstündige Seerundfahrt zu 25 CHF pro Person. Eine schöne ruhige Fahrt die sich lohnt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Nahverkehr in Luzern ist sehr gut. Die Busse fahren in kurzen Abständen und die Fahrpreise sind erstaunlich günstig.

Abends entschieden wir uns für Fastfood, ein Fehler, denn es war immer noch doppelt so teuer im Vergleich zu Deutschland und schmeckte wie befürchtet.

Der dritte Tag sah uns auf der Heimfahrt. Es regnete und dabei kam mir in den Sinn, dass wir ja auch noch 32 Euro für die Vignette dazurechnen müssen. Das ist aber in Ordnung denn die Schweizer Straßen sind alle gepflegt und bestens ausgebaut.

Schade, was ist da schiefgelaufen mit den Preisen? Ist das der Preis für die Unabhängigkeit? Ich glaube kaum, dass die Schweizer Versorger ihre Waren auf dem Weltmarkt teurer einkaufen als die Deutschen. Warum muss dann alles so teuer verkauft werden? Früher fuhren wir regelmäßig zum Skifahren oder Wandern in die Schweiz, heute können sich nur sehr reiche Leute dort noch einen Urlaub leisten. Wer Schwarzgeld in der Schweiz hat sollte einfach ein paar Wochen Urlaub dort machen, dann ist er es los.

 

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